Wer macht was bei der Messeplanung? Verantwortlichkeiten klar verteilen
Viele Probleme bei der Messevorbereitung entstehen nicht durch fehlende Aufgabenlisten. Die Aufgaben sind bekannt – aber niemand weiß verbindlich, wer entscheidet, wer ausführt und wer ein Ergebnis freigibt. Dann bestellt der Einkauf zu spät, Vertrieb und Marketing arbeiten mit unterschiedlichen Zielgruppenlisten oder Leads bleiben nach der Messe ohne zuständige Person.
Eine RACI-Matrix schafft klare Zuständigkeiten. Sie ordnet jeder Aufgabe eine ausführende und eine ergebnisverantwortliche Rolle zu. Das funktioniert auch in mittelständischen Unternehmen, in denen einzelne Personen mehrere Rollen übernehmen.

Was bedeutet RACI bei der Messeplanung?
RACI unterscheidet vier Arten der Beteiligung:
- R – Responsible: Führt die Aufgabe operativ aus. Für umfangreiche Aufgaben kann es mehrere ausführende Personen geben.
- A – Accountable: Trägt die Ergebnisverantwortung, entscheidet und gibt das Ergebnis frei. Pro Aufgabe sollte es genau ein A geben.
- C – Consulted: Wird vor einer Entscheidung oder Fertigstellung fachlich einbezogen.
- I – Informed: Wird über Entscheidung, Status oder Ergebnis informiert, arbeitet aber nicht aktiv mit.
Wichtig: „Accountable“ bezeichnet nicht automatisch die ranghöchste Person. Gemeint ist die Rolle, die dafür sorgt, dass ein vereinbartes Ergebnis vollständig und fristgerecht vorliegt.
Die Matrix ersetzt weder Terminplan noch Budget. Sie ergänzt beides um die entscheidende Frage: Wer trägt für jedes Arbeitspaket die Verantwortung? Wenn Sie mehrere Veranstaltungen koordinieren, sollten Rollen und Fristen bereits im Messejahresplan zusammengeführt werden.
Die typischen Rollen im Messeteam
Projektleitung
Die Projektleitung hält Termine, Budget, Abhängigkeiten und Risiken zusammen. Sie koordiniert die Fachbereiche, bereitet Entscheidungen vor und prüft, ob vereinbarte Ergebnisse vorliegen. Sie sollte jedoch nicht automatisch jede offene Aufgabe selbst übernehmen.
Marketing
Marketing verantwortet in der Regel Botschaften, Gestaltung, Kommunikationsmaßnahmen, Einladungen und Werbemittel. Für die fachliche Ansprache und Priorisierung von Zielkunden benötigt es verbindlichen Input aus dem Vertrieb.
Vertrieb
Der Vertrieb definiert vertriebliche Messeziele, Zielkunden, Gesprächskriterien und den Prozess zur Lead-Nachbereitung. Außerdem stellt er häufig einen großen Teil des Standpersonals und übernimmt qualifizierte Kontakte nach der Messe.
Einkauf
Der Einkauf holt Angebote ein, prüft Konditionen, beauftragt Lieferanten und kontrolliert kaufmännische Rahmenbedingungen. Dafür benötigt er rechtzeitig ein belastbares Leistungsverzeichnis – nicht nur die Aufforderung, „noch schnell einen Messestand zu bestellen“.
Standteam
Das Standteam führt Gespräche, erfasst Kontakte, betreut Exponate und setzt die Abläufe vor Ort um. Es sollte nicht erst am Anreisetag erfahren, welche Zielgruppen, Gesprächsleitfäden und Regeln zur Lead-Erfassung gelten.
Externe Dienstleister
Standbauer, Agenturen, Logistikunternehmen und technische Dienstleister liefern klar definierte Ergebnisse. Die interne Ergebnisverantwortung sollte trotzdem im Unternehmen bleiben. Ein Dienstleister kann für die Ausführung verantwortlich sein, aber nicht für Ihr Gesamtbudget, Ihre Vertriebsziele oder interne Freigaben.
RACI-Vorlage für typische Messeaufgaben
Die folgende Matrix ist ein Ausgangspunkt. Passen Sie sie an Ihre Organisation an. Entscheidend sind nicht die konkreten Buchstaben der Vorlage, sondern genau ein A pro Aufgabe, mindestens ein R und ein überprüfbares Ergebnis.
| Aufgabe | Projektleitung | Marketing | Vertrieb | Einkauf | Standteam | Dienstleister | Ergebnis oder Übergabe |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Messeziele und Kennzahlen festlegen | R | C | A | I | I | I | Freigegebene Ziele mit messbaren Kennzahlen |
| Projektplan und Meilensteine erstellen | A/R | C | C | C | I | I | Terminplan mit Abhängigkeiten und Entscheidungsfristen |
| Messebudget planen und überwachen | A/R | C | C | C | I | I | Freigegebenes Budget mit Kostenpositionen und Reserven |
| Standkonzept entwickeln | A | R | C | C | C | R | Freigegebener Entwurf mit Flächen, Funktionen und Kostenrahmen |
| Standbau und Leistungen beauftragen | C | I | I | A/R | I | C | Bestellung oder Vertrag auf Basis eines Leistungsverzeichnisses |
| Einladungs- und Kommunikationsplan umsetzen | C | A/R | R | I | I | C | Zielgruppen, Maßnahmen, Inhalte und Versandtermine |
| Standbesetzung und Einsatzplan erstellen | R | I | A | I | C | I | Namentlicher Schichtplan einschließlich Pausen und Vertretungen |
| Lead-Prozess und Pflichtfelder definieren | C | C | A | I | R | C | Qualifikationskriterien, Pflichtfelder und Übergaberegeln |
| Standteam schulen und briefen | R | C | A | I | R | C | Briefing, Gesprächsleitfaden und dokumentierte Teilnahme |
| Logistik und Messelieferungen koordinieren | A | C | I | R | I | R | Versandplan, Anlieferzeiten, Kontakte und Empfangsbestätigung |
| Standaufbau abnehmen | A/R | C | I | C | C | R | Abnahmeprotokoll mit Mängeln und Erledigungsfristen |
| Betrieb vor Ort koordinieren | A | C | C | I | R | R | Täglicher Ablauf, Ansprechpartner und dokumentierte Probleme |
| Leads täglich übertragen und zuordnen | C | I | A | I | R | C | Vollständige Datensätze mit zuständiger Vertriebsperson |
| Lead-Nachbereitung durchführen | I | C | A/R | I | C | I | Kontaktaufnahme nach Priorität und festgelegter Frist |
| Ergebnisse auswerten und Maßnahmen ableiten | A/R | C | C | C | I | I | Abschlussbericht mit Zielerreichung, Kosten und Folgemaßnahmen |
| Rechnungen prüfen und Projekt abschließen | C | I | I | A/R | I | I | Geprüfte Rechnungen und dokumentierte Abweichungen |
Falls Budgetfreigaben ab einer bestimmten Summe bei der Geschäftsführung liegen, ergänzen Sie diese als eigene Rolle. Die Projektleitung bleibt dann beispielsweise für die Budgetvorbereitung verantwortlich, während die Geschäftsführung die finale Freigabe übernimmt.
So führen Sie die Verantwortungsmatrix in sechs Schritten ein
1. Aufgaben als überprüfbare Arbeitspakete formulieren
Ein Eintrag wie „Marketing machen“ ist zu ungenau. Formulieren Sie stattdessen Ergebnisse: „Einladungstext freigeben“, „Zielkundenliste bereitstellen“ oder „Standgrafiken als druckfähige Dateien übergeben“. Je konkreter das Ergebnis, desto leichter lässt sich eine Rolle zuweisen.
2. Für jede Aufgabe genau ein A bestimmen
Mehrere ergebnisverantwortliche Personen führen häufig dazu, dass sich niemand zuständig fühlt. Bestimmen Sie deshalb pro Aufgabe genau eine Rolle, die Entscheidungen einholt, die Fertigstellung prüft und bei Verzögerungen reagiert.
3. Ausführende Personen und Kapazitäten benennen
Ein R in der Matrix genügt nicht, wenn keine konkrete Person oder kein Dienstleister dahintersteht. Ergänzen Sie bei der operativen Planung Name, Aufwand und Verfügbarkeit. Eine Person kann mehrere Rollen übernehmen, sollte dann aber bewusst für die notwendige Zeit eingeplant werden.
4. Frist und Abnahmekriterium ergänzen
Jede kritische Aufgabe braucht neben der Zuständigkeit eine Frist und eine Definition von „fertig“. Beispiel: Ein Standentwurf ist nicht fertig, wenn nur eine Visualisierung vorliegt. Für die Beauftragung können zusätzlich Maße, Materialien, technische Anforderungen, enthaltene Leistungen und ein verbindlicher Preis erforderlich sein.
5. Übergaben ausdrücklich planen
Viele Verzögerungen entstehen zwischen zwei Aufgaben. Halten Sie deshalb fest, wer welches Ergebnis in welchem Format an wen übergibt. Der Empfänger sollte die Vollständigkeit bestätigen. So wird aus einer unverbindlichen Abstimmung ein kontrollierbarer Übergabepunkt.
6. Die Matrix regelmäßig aktualisieren
Prüfen Sie die Zuordnung zu Projektbeginn, nach wichtigen Freigaben und vor dem operativen Messebriefing. Wenn Mitarbeitende ausfallen oder Dienstleister wechseln, muss die Verantwortlichkeit sofort neu vergeben werden. Bei mehreren Beteiligten ist eine lokal abgelegte Tabelle schnell veraltet. Typische Ursachen und Gegenmaßnahmen finden Sie im Beitrag Messeplanung mit Excel: 7 Fehler, die Zeit und Budget kosten.
Vier Übergaben, die Sie besonders genau regeln sollten
| Übergabe | Benötigte Inhalte | Abnahme durch | Sinnvolle Frist |
|---|---|---|---|
| Marketing und Projektleitung an Einkauf | Freigegebener Entwurf, Leistungsverzeichnis, Maße, Materialien, Budgetgrenze und Liefertermin | Einkauf bestätigt Ausschreibungs- oder Bestellfähigkeit | Vor Beginn der Angebotseinholung |
| Vertrieb an Marketing | Zielkundensegmente, priorisierte Kontakte, Kundennutzen und fachliche Botschaften | Marketing bestätigt Verwendbarkeit für Einladung und Kampagne | Vor Erstellung der Kommunikationsmittel |
| Vertrieb und Projektleitung an Standteam | Messeziele, Gesprächsleitfaden, Lead-Kategorien, Pflichtfelder, Schichtplan und Eskalationskontakte | Teammitglieder bestätigen Briefing und Einsatzzeiten | Spätestens vor Anreise |
| Standteam an Vertrieb | Vollständige Kontaktdaten, Gesprächsnotizen, Einwilligungen, Priorität und gewünschter nächster Schritt | Zuständige Vertriebsperson bestätigt Übernahme | Täglich während der Messe, endgültig direkt nach Messeende |
Welche Informationen zu jeder Aufgabe gehören
Eine praxistaugliche Aufgabenkarte oder Tabellenzeile sollte mindestens folgende Angaben enthalten:
- eindeutige Aufgabe und erwartetes Ergebnis
- Responsible und Accountable
- beteiligte oder zu informierende Rollen
- Starttermin und verbindliche Frist
- Abhängigkeiten zu anderen Aufgaben
- Budget oder Bestellwert, falls relevant
- benötigte Dateien, Freigaben und Ansprechpartner
- aktueller Status und dokumentierte Entscheidung
- Abnahmekriterium oder Nachweis der Fertigstellung
Die RACI-Matrix bleibt damit die Rollenübersicht. Die Detailinformationen werden im jeweiligen Arbeitspaket gepflegt.
Typische Fehler bei der Rollenverteilung
Die Projektleitung ist für alles verantwortlich
Wenn in fast jeder Zeile A/R bei der Projektleitung steht, wurden Fachverantwortungen nicht sauber verteilt. Die Projektleitung koordiniert. Vertriebliche Lead-Kriterien, fachliche Inhalte oder Einkaufsentscheidungen sollten bei den dafür zuständigen Rollen liegen.
Es gibt mehrere ergebnisverantwortliche Rollen
„Marketing und Vertrieb klären das gemeinsam“ ist keine eindeutige Zuständigkeit. Legen Sie fest, wer die finale Entscheidung trifft. Die andere Rolle wird als R oder C eingebunden.
Externe Dienstleister erhalten die Gesamtverantwortung
Ein Standbauer kann Aufbau und technische Umsetzung verantworten, aber nicht Ihre internen Freigaben. Das A sollte deshalb bei einer internen Rolle bleiben. Definieren Sie zusätzlich konkrete Abnahmezeitpunkte und einen internen Ansprechpartner.
Alle werden zu allem konsultiert
Zu viele C-Rollen verlängern Abstimmungen. Fragen Sie bei jeder Zuordnung: Wird diese Person für eine fachlich belastbare Entscheidung benötigt? Falls sie nur den Status kennen muss, genügt I.
Die Verantwortung endet mit dem Messeschluss
Die Nachbereitung gehört bereits vor der Messe in die Matrix. Legen Sie fest, wer Kontakte übernimmt, innerhalb welcher Frist die erste Reaktion erfolgt und wer die Vollständigkeit kontrolliert. Ohne diese Zuordnung verliert selbst eine erfolgreiche Messe schnell an Wirkung.
Kurzer RACI-Check vor dem Projektstart
Prüfen Sie die fertige Matrix mit diesen Fragen:
- Hat jede Aufgabe genau eine ergebnisverantwortliche Rolle?
- Gibt es für jede Aufgabe mindestens eine ausführende Person?
- Ist das erwartete Ergebnis eindeutig beschrieben?
- Sind Entscheidungsspielräume und Budgetgrenzen bekannt?
- Sind Übergaben zwischen Abteilungen terminiert?
- Bleibt die interne Verantwortung auch bei externen Leistungen klar?
- Ist die Lead-Nachbereitung genauso verbindlich geplant wie der Standaufbau?
- Wissen Vertretungen, welche Aufgaben sie bei Ausfällen übernehmen?
Fazit: Zuständigkeit ist mehr als eine Namensspalte
Eine Aufgabenliste zeigt, was zu tun ist. Eine RACI-Matrix klärt zusätzlich, wer arbeitet, wer entscheidet und wer ein Ergebnis abnimmt. Besonders wirksam wird sie zusammen mit Fristen, Abnahmekriterien und fest definierten Übergaben. Beginnen Sie mit den kritischen Arbeitspaketen – Budget, Standbau, Kommunikation, Personal, Lead-Erfassung und Nachbereitung – und erweitern Sie die Matrix anschließend um unternehmensspezifische Aufgaben.
Wenn Sie Verantwortlichkeiten, Termine, Budgets und Dokumente für mehrere Messeprojekte zentral abbilden möchten, verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die verfügbaren Funktionen.